A Body of Work beschreibt meine Suche nach einer literarischen Praxis. Ausgehend von meinem fotografischen Archiv habe ich ca. ein Jahr lang nach einer Bildsprache und nach einer Sprache gesucht, die eine gewisse kritische Praxis illustrieren.

Die Fotos und Texte im Buch sind sowohl Produkt als auch Abbild meiner Beziehung zur Fotografie und meiner fotografischen Beziehung zur Welt. Sie beschäftigen sich inhaltlich mit Menschen, die mir in meinem fotografischen Alltag begegnen und meiner fotografischen Beziehung zu ihnen. Freunde und Bekannte, aber auch fremde Menschen sind sowohl Motive meiner Betrachtungen als auch Zeugen und Komplizen meiner Suche.

Auf den ersten Seiten im Buch kommt mein Körper ins Bild (Ich lasse mir Robert Capas Loyalistischer Soldat im Moment des Todes auf den Oberschenkel tätowieren). Die Fotografie verhält sich hier analog zu unseren intuitiven Sehgewohnheiten, wenn sie den Körper des Fotografen immer nur Fragmentarisch abbildet.

Der Körper des Fotografen besitzt im Foto gegenüber allen anderen Körpern im Bild eine eigenartige Sonderstellung. Auch hier verhält sich die Fotografie analog zur gewohnten Wahrnehmung. A body of work, das ist vor allem mein Körper inmitten der Körper die ihn umgeben, zu denen er sich selbst ins Verhältnis setzt und wie er das tut.

Die Kritik der Fotografie in A body of work fokussiert vor allem diese komische Perspektive des Fotografen auf seinen eigenen Körper.

Die Kapitel Elemente materialistischer Fotografie 1+2 und das Kapitel Digression beschäftigen sich mit der eingangs beschriebenen kritischen Praxis. Diese kennt kein Innen und Außen und unterscheidet nicht wesentlich zwischen Ursprung und Gegenstand ihrer Kritik. Sinnbild dieser Kritik ist die klein’sche Flasche, der Visualisierung einer Fläche, die nur eine Seite besitzt. Das Buch ist so eine klein‘sche Flasche.

Darüber hinaus geht es um Rückkopplung, ein Phänomen in Signalverstärkenden Systemen, bei denen ein Teil des Ausgangssignals zurück in den Eingang des Systems gelangt. Die Rückkopplung ist der markanteste Anzeiger einer Kritik, die den Kritiker automatisch zum Gegenstand ihrer Kritik macht. Eco, Ende, Borges und Baudrillard beschreiben eine solche rückkoppelnde Ideologie in ihrer Geschichte Die Karte des Reichs im Maßstab 1:1.

Aber was genau muss man sich jetzt eigentlich vorstellen unter kritischer Praxis? Unter kritischer Praxis verstehe ich – frei nach Bourdieu – inkorporierte kritische Theorie, also ein kritisches Denken, das nicht abrupt an den Körperrollen der Herkunft und der Identität endet, sondern diese mit einschließt und reflektiert. Hier kommt die Rückkopplung ins Spiel. Denn egal wie oft ich neben mich trete und mich inmitten meiner Beweggründe betrachte – immer gibt es einen Betrachter, der selbst wieder Gegenstand der Kritik wird und dieser endlose Regress wirkt nun entweder beängstigend oder befreiend. Ihn aushalten bedeutet, sein emanzipatorisches Potenzial zu erleben. Bourdieu und Butler hatten beide Recht. Der Weg zur Überwindung des Habitus liegt in der Affirmation seiner Unüberwindbarkeit – und der emanzipatorischen Lesart dieser Enttäuschung.

A Body of Work describes my search for a literary practice. Starting from my photographic archive, I spent about a year searching for a visual language and a language that illustrates a certain critical practice.

The photos and texts in the book are both product and image of my relationship to photography and my photographic relationship to the world. They deal with people I meet in my photographic everyday life and my photographic relationship to them. Friends and acquaintances, but also strangers are both motifs of my observations as well as witnesses and accomplices of my search.

On the first pages of the book my body comes into the picture (I get Robert Capa’s Loyalist Soldier at the moment of death tattooed on my thigh ). Here, photography behaves analogously to our intuitive viewing habits, when it always depicts the photographer’s body in fragments.

The photographer’s body has a peculiarly special position in the photograph compared to all other bodies in the picture. Here, too, photography behaves analogously to our usual perception. A body of work, that is above all my body in the midst of the bodies that surround it, to which it relates itself and how it does so.

The criticism of photography in A body of work focuses above all on this strange perspective of the photographer on his own body.

The chapter Elements of Materialistic Photography 1+2 and the chapter Digression deal with the critical practice described at the beginning. This practice knows no inside or outside and does not distinguish significantly between the origin and object of its criticism. The symbol of this criticism is the Klein bottle, the visualization of a surface that has only one side. The book is such a klein’sche bottle.

It also deals with feedback, a phenomenon in signal amplifying systems, where a part of the output signal goes back into the input of the system. Feedback is the most prominent indicator of a criticism that automatically makes the critic the object of its criticism. Eco, Ende, Borges and Baudrillard describe such a feedback ideology in their history The Map of the Empire on a scale of 1:1.

But what exactly must one imagine now under critical practice? By critical practice I understand – freely after Bourdieu – incorporated critical theory, that is, a critical thinking that does not end abruptly at the body roles of origin and identity, but rather includes and reflects them. This is where feedback comes into play. For no matter how often I step aside and look at myself in the midst of my motivations – there is always a viewer who himself becomes the object of criticism again, and this endless recourse now has either a frightening or a liberating effect. Enduring it means experiencing its emancipatory potential. Bourdieu and Butler were both right. The way to overcome the habitus lies in the affirmation of its insurmountability – and the emancipatory reading of this disappointment.