Komische Körper

Aus der akkurat von den hohen Wänden isolierten Decke läuft zart irisierendes Licht. Die Luft ist sauber und angenehm kühl und lässt sich leicht atmen.

a body of work

368p. 34,5 cm x 26 cm Design: Insa Deist self-published, Leipzig, 2017 order here

Die Geschichte vom Kuhturm

Groupshow "spatial return"2015 @ project-space Zuständige Behördevarious installationsConne hatte den Laden klargemacht. Wir waren hier Jahre vorher öfter mal feiern. Das waren schmutzige aber liebevolle Partys mit einer Menge Drogen. MDMA war damals fast obligatorisch und wir nahmen eh, was wir in die Finger bekamen, vor allem aber Ecstasy und Bier.Na jedenfalls war der „Kuhturm“ – so nannten wir den Laden damals – dann irgendwann dicht und keiner kümmerte sich mehr so richtig darum. Das Haus stand von Anfang an leer und so fügten sich die blinden Scheiben des leeren Ladens neben einem zwielichtigen Juwelier und einer Tabledance-Schule in das Gesamtbild des Straßenzuges. Zwei jahre zogen ins Land und als Conne dann im Sommer 2015 mit den Schlüsseln ankam, hatte sich die Situation grundlegend geändert. Sämtliche Immobilien links und rechts des Ladengeschäfts waren verkauft und größtenteils renoviert und gegenüber überwuchs der Efeu unaufhaltsam die Erfahrung des bürgerlichen Widerstandes, gegen den sich der Neubau des Kauflands an dieser Stelle einmal durchsetzen musste. Die „Zuständige Behörde“, wie der Kuhturm in Wirklichkeit schon seit 2005 hieß, war damals in Stefan Riebels „Institut für alles Mögliche“ eingebunden. Stefan hatte mittlerweile eine solche Unmenge skurriler Orte in ganz Deutschland unter dem Label der institutionskritischen Institution zusammengescharrt, dass die Verwaltung einzelner Läden zum Teil hinten runterfiel und so waren wir dort von Beginn an völlig Vogelfrei. Das Haus war seit Jahren verkauft und der neue Mieter hatte den Dachboden aufwändig renovieren lassen. Dort oben richtete ich mir also mein erstes eigenes Atelier ein. Es war ein Geschenk, und wir rissen es auf wie ein Westpaket. Wir machten damals alle „irgendwas mit Raum oder irgendwas im Raum“, zahlten keine Miete und hatten den Laden mit seinen großen Schaufenstern die ganze Zeit zur Verfügung. Uns gefiel das Bild des Kunst-Schaukasten mit den dünnen Scheiben als filigrane Membran zwischen der Straße und der Kunst und so trennten wir uns als erstes von der Notwendigkeit einer Eröffnung. Im gesamten dritten Stock hatte sich infolge vieler Ausstellungen in den vergangenen 10 Jahren eine wahre Konzeptkunst-Müllhalde angesammelt, ein unerschöpflicher Materialfundus an… Zeug – nichts Brauchbares (weswegen es wohl hiergeblieben war) und davon sehr, sehr viel. Es war so eine Art rundenbasiertes Spiel ohne feste Regeln. Einer schleppte irgendwas runter und machte einen Haufen, der nächste putzte den Boden und wieder der nächste baute hier etwas an und dort etwas ab und hin und wieder übernachtete auch mal einer im Laden. Über Monate wuchs unser Diorama nach diesem call and response. Es sollte kindisch sein und das war es auch. Andi fing an völlig autistisch die Wände im Laden mit einem Winkelschleifer zu sezieren, ich baute mich quasi chronologisch durch den Dritten und Francis machte sich dran, einen der Räume vollständig mit Schweinefett und Grafit einzuschmieren. Es war eine Riesensauerei. Es war Sommer. Wir hatten einen großen Spaß aber irgendwann musste es vorbei sein. Der Laden sah erbärmlich aus. Wir hatten die Fenster mit Raufaser zugekleistert, die Tapete hing in Fetzen vom Glas und alles war mit Tags übersät. Im…

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